ADHS, temperamentvolle oder gefühlsintensive Kinder? Ein Interview:

besondere_kinder_30.09.2019

Heike, was ist deine Haltung zu „ADHS“?

„ADHS“ = „Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom mit Hyperaktivität“ – so die offizielle Klassifizierung –  ist ein Begriff, mit dem ich nicht viel anfangen kann. Weil er nicht klar ist.
Bekommen denn die Kinder zu wenig Aufmerksamkeit oder sind sie nicht aufmerksam genug? Können sie überhaupt nicht aufmerksam sein, oder ist das nur so in bestimmten Situationen?
Und die Hyperaktivität? Bewegen sich die Kinder zu viel? In welchen Situationen bewegen sie sich zu viel?

Kinder sind sehr unterschiedlich in ihrer natürlichen Veranlagung:
Einige Kinder sind besonders sensibel, nehmen jede Veränderung in ihrer Umgebung wahr und reagieren darauf.
Andere Kinder haben ein ausgeprägtes Temperament: Sie fühlen sehr intensiv und leben ihre Gefühle aus. Das ist wie eine Achterbahn der Gefühle und für das Kind und die Eltern nur schwer auszuhalten.
Dennoch sind diese Kinder ganz sicher nicht „gestört“ oder gar krank. Sie benötigen unsere besondere Unterstützung und viel Verständnis.

Sicher kann es auch medizinische Ursachen dafür geben, wenn ein Kind in besonders ausgeprägter Form Verhaltensweisen und Symptome von „ADHS“ zeigt. Hier sollten Eltern ihrer Intuition vertrauen und mit ihrem Kinderarzt sprechen.

Wie kann man herausfinden, ob ein Kind „ADHS“ hat? Ist das Ergebnis objektiv und sicher?

Ob ein Kind von „ADHS“ betroffen ist, wird beim Psychologen durch eine Reihe von Tests und Fragebögen ermittelt. Die Eltern, aber auch Lehrer und ErzieherInnen, schätzen das Verhalten des Kindes in bestimmten Situationen ein. Immer in Bezug auf ein normales, durchschnittliches Verhalten. Hier frage ich mich: Was ist normal? Ist es nicht wunderbar, dass wir alle einzigartig sind?

Hierzu ein Beispiel: Ich kenne eine Familie, deren Sohn in Deutschland durch seine große Lebendigkeit und Unruhe in der Schule negativ auffiel. Als die Familie nach Italien umzog, kam er dort bestens zurecht. Es gab keine Probleme und Beschwerden mehr. Einfach, weil in Italien Lebhaftigkeit und Emotionalität geschätzt und normal sind.

Leider wird „ADHS“ als psychische Störung bewertet. Dabei umfasst „ADHS“ Eigenschaften, die aus einem anderen Blickwinkel positiv sind:

  • erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit, „Scannertypen“
  • lösungsorientiert
  • rasches Denken
  • viel Energie
  • ausgeprägter Bewegungsdrang
  • intensives Fühlen
  • Spontaneität
  • Offenheit
  • hohe Sensibilität
  • ausgeprägter Bewegungsdrang
  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Unwille, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, die als langweilig empfunden werden
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Warmherzigkeit

Wie sind eigentlich Kinder, die vom sogenannten „ADHS“ betroffen sind? Man sagt ja auch, „ADHS- Kinder“ hätten eine andere Wahrnehmung?

Mir gefallen diese Bezeichnungen für besondere und herausfordernde Kinder: „temperamentvolle Kinder“ oder „intensiv fühlende Kinder“.
Diese Begriffe sprechen mich viel mehr an, weil die Stärken der Kinder im Vordergrund stehen! Außerdem sind die Eigenschaften der Kinder nicht „unnormal“. Alle Kinder haben sie. Mehr oder weniger. Temperamentvolle oder gefühlsstarke Kinder haben einfach „viel mehr“ davon:
Sie leben intensiver, fühlen intensiver, sind vielleicht lauter, passen sich ungern an, sind eigenwilliger. Diese Kinder sind auffälliger und ganz sicher weniger pflegeleicht.

Hol dir GRATIS meine 25 Tipps, und fühl dich sofort gelassener und kompetenter in deiner Elternrolle.

* erforderliche Angaben
Datenschutz *

Hinweise zum Datenschutz, Widerruf, Protokollierung sowie der von der Einwilligung umfassten Erfolgsmessung erhältst du unter Datenschutz.

Das sind doch tolle Eigenschaften. Warum lässt man diese Kinder nicht einfach, so wie sie sind und akzeptiert ihr „Anderssein“? Was macht es so schwierig, die Kinder beim Großwerden zu begleiten?

Zunächst müssen wir erkennen und uns darüber freuen, dass diese Kinder große Stärken haben! Dass sie eben nicht krank oder „gestört“ sind.

Wenn ein Kind permanent ermahnt und kritisiert wird, merkt das Kind, dass es nicht „richtig“ ist. Es spürt, dass es, um geliebt zu werden, anders sein sollte. Das ist eine sehr unangenehme Erfahrung, die wir alle sicher schon selbst gemacht haben. Ein Kind wird dann einsam, trotzig, rebellisch und „schwierig“.

Gleichzeitig möchte jedes Kind eingebunden sein in die Gemeinschaft, dazugehören. Dazu muss es sich anpassen und die Bedürfnisse der anderen wahrnehmen können. Auch gehört das Stillsitzen in der Schule dazu, egal, wie schwer es einem lebhaften Kind mit hohem Bewegungsdrang fällt. Und das Erledigen von Aufgaben muss sein, auch wenn das Kind den Sinn dahinter nicht immer einsieht. Dies zu lernen, fällt energiegeladenen Kinder nicht leicht.

Ich möchte sagen, dass diese Kinder nicht „pflegeleicht“ sind. Sie sind herausfordernd für ihre Eltern.

Häufig fällt schon in der Schwangerschaft der hohe Bewegungsdrang auf. In der Nacht wecken sie ihre Mama dauernd auf. Die Babys sind häufig sehr leicht erregbar und zeigen ihre Unzufriedenheit deutlich und lautstark. Wobei es oft sehr schwierig ist, herauszufinden, was den Kleinen eigentlich fehlt. Dazu haben diese Kinder viel Energie. Sie benötigen häufig nur wenig Schlaf.
Das Leben mit solch einem temperamentvollen Kind ist ausgesprochen anstrengend.

Hinzu kommt, dass die Menschen in der Umgebung oft kein Verständnis haben und die Eltern mit klugen Ratschlägen – und mit mehr oder weniger versteckter Kritik – bedenken. Das alles macht es nicht leicht, Eltern von einem temperamentvollen, gefühlsstarken Kind zu sein!

Wie viele Kinder sind eigentlich von „ADHS“ betroffen?
Das ist schwer zu sagen. Es gibt viele Studien mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen:

  • Die Barmer Ersatzkasse hat herausgefunden, dass in Deutschland je nach Bundesland „ADHS“ unterschiedlich häufig diagnostiziert wird:
    in Rheinland-Pfalz und Bayern ca. 11% der Kinder, in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern ca. 7%.
  • In den USA sieht die Lage wieder anders aus: Dort ist jedes zehnte Kind „ADHS“ diagnostiziert. (Deutsches Ärzteblatt Sep. 2018) Andere Studien in den USA sprechen bereits von 25% der betroffenen Kinder. Auch werden die getesteten Kinder immer jünger.
  • In England, Frankreich und Italien gibt es offensichtlich deutlich weniger „ADHS-Fälle“. Ich habe Studien gefunden, in denen von 2% die Rede ist.

Die gefühlsintensiven, temperamentvollen Kinder sind in den Ergebnissen dieser Studien nur teilweise erfasst. Generell sind Jungs deutlich häufiger betroffen als Mädchen.
Bei diesen so unterschiedlichen Ergebnissen, frage ich mich, ob es sein kann, dass all diese Kinder krank und „unnormal“ sind?

Worin siehst du die Ursache von „ADHS“?
Bei „ADHS“ kommen sicher verschiedene Faktoren ins Spiel: Die Persönlichkeit des Kindes, die besondere Dynamik innerhalb einer Familie, Erziehung, Trauma, Ernährung, Lebensmittelunverträglichkeiten, eventuell medizinische Ursachen. Auch das Lebensumfeld, also der Wohnort, Verwandte, Lehrer und Geschwister spielen eine Rolle.

„ADHS“ gibt es schon lange: Im 19. Jahrhundert hat Heinrich Hoffmann die für „ADHS“ typischen „Unarten“ anschaulich und humorvoll im „Zappelphilipp“ beschrieben.

Wichtig und entlastend ist, zu wissen: Es ist nicht die „Schuld“ der Eltern, wenn ein Kind „ADHS“ hat, gefühlsstark oder besonders temperamentvoll ist.

Viele Eltern fragen sich: Sind die Eigenheiten unseres Kindes, mit denen wir täglich kämpfen, nun unser Schicksal? Oder können wir etwas tun, damit das Leben mit unserem „ADHS-Kind“ leichter und glücklicher wird?

Die gute Nachricht: Eltern können viel tun!
Der erste Schritt ist das Annehmen des Kindes, so wie es ist. Sich freuen über ihr Kind mit allen seinen besonderen und tollen Eigenschaften! Wenn es Eltern gelingt, ihren Blick bewusst auf die positiven Seiten ihres Kindes zu richten, entspannt sich die Lage sofort. Das Familienleben ist sofort harmonischer und viel leichter.
Dazu gibt es wirksame „Werkzeuge“ und Strategien, die Eltern lernen können, damit ihr Kind im Familienleben kooperiert. Der Alltag wird sofort einfacher und entspannter.

Diese Botschaft möchte ich Eltern mitgeben:

Habe Vertrauen in dein Kind! Blicke immer wieder in die Zukunft deines Kindes. Geh raus aus dem komplizierten, verfahrenen Moment und stelle dir dein Kind als jungen Erwachsenen mit all seinen Stärken erfolgreich im Beruf und im Leben vor.

Deine Erfahrungen interessieren mich sehr. Schreibe sie unten in die Kommentare.

Hol dir GRATIS meine 25 Tipps, und fühl dich sofort gelassener und kompetenter in deiner Elternrolle.

* erforderliche Angaben
Datenschutz *

Hinweise zum Datenschutz, Widerruf, Protokollierung sowie der von der Einwilligung umfassten Erfolgsmessung erhältst du unter Datenschutz.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weißt du alleine nicht mehr weiter?
So geht es vielen Eltern mit ADHS-Kindern. Ich helfe dir sehr gerne.
Vereinbare jetzt dein kostenloses Gespräch.

Scroll to Top

Hol' dir jetzt kostenlos die 25 Tipps für geforderte Eltern

Erfahre, wie du…

  • eine tolle Beziehung zu deinem Kind aufbaust.
  • Wutanfällen und Streit vorbeugen kannst.
  • den Alltag gelassen meisterst.
* erforderliche Angaben
Datenschutz *