ADHS durch Trauma?

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Eine Alarmanlage im Kopf

Mathias kam zu mir in der Praxis, weil er in der Schule immer häufiger austickte. Dadurch brachte er sich in allerlei Schwierigkeiten. Inzwischen hatte seine Mitschüler vor seinen unberechenbaren Wutausbrüchen. Ohne Vorwarnung brüllte Mathias los oder schlug um sich. Verständlicherweise zogen sich die anderen Kinder immer mehr von ihm zurück.

Im Unterricht rutschte er auf seinem Stuhl hin und her, und spätestens in der zweiten Stunde war es ganz vorbei mit der Konzentration. Wenn die Lehrerin ihn dann ermahnte, sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren, konterte Mathias mit einem Wutausbruch.

Visualisierungscoaching bei ADHS

Später saß der Zehnjährige mit geschlossenen Augen im gemütlichen Sessel in meiner Praxis und war felsenfest davon überzeugt, dass er eine Alarmanlage im Kopf hatte. Diese Alarmanlage wies ihn auf vielerlei potenzielle Gefahren hin. Er wollte seine Alarmanlage unbedingt behalten, obwohl er sich durch sie ständig angespannt und wie „unter Strom“ fühlte.

Ich bin davon überzeugt, dass diese „Alarmanlage im Kopf“ der Grund ist für Mathias‘ Hibbeligkeit, sein Unvermögen, sich in der Schule zu konzentrieren und seine impulsiven Reaktionen.

Schädigende Emotionen umwandeln durch Visualisierungscoaching

Im Visualisierungscoaching (einer Form der Hypnotherapie) geht es darum, schädigende Emotionen loszuwerden. Aus dem Kopf und aus dem Körper.
Mit schwierigen Erinnerungen verbundene negative Emotionen neutralisieren wir, damit sie dem Kind in Zukunft nicht mehr im Weg stehen. Und an die Stelle der schädigenden Emotionen kommen hilfreiche und stärkende Qualitäten.

ADHS-Symptome sind manchmal Überlebensstrategien

Mathias ließ zunächst nicht mit sich verhandeln, was ich gut verstehen konnte. Seine Alarmanlage schützte ihn ja vor Gefahren, wie er fest glaubte. Immerhin war er bereit, sie leiser zu schalten und so einzustellen, dass sie nur bei echten Gefahren ansprang. Und nicht etwa schon, wenn die Lehrerin streng guckte. Wie mir seine Mutter später mitteilte, funktionierte das super: Mathias war nach zwei Coachingsessions in der Schule und auch zu Hause deutlich ruhiger und ausgeglichener. Und die Wutanfälle wurden immer seltener. 😊

Die wirklichen Ursachen für ADHS-Symptome

Was genau war los mit dem Jungen? Das fragte ich mich, als ich mit seinen Eltern im Vorgespräch zusammensaß. Die Diagnose ADHS lag vor, aber was sagte sie aus? Die Symptome – Impulsivität, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Hyperaktivität – waren klar gegeben.

Was aber steckte wirklich dahinter? Um den Ursachen hinter den Symptomen auf die Spur zu kommen, wollte ich mehr erfahren: Wie verlief die Schwangerschaft, die Geburt, die Zeit als Baby und als Kleinkind, im Kindergarten, in der Schule, … Gab es besonders belastende Situationen, die das Kind verkraften musste? Wie ging es den Eltern in den ersten Jahren und besonders der Hauptbezugsperson, also meistens der Mutter?

Stress über das normale Maß hinaus in vielen Familien mit ADHS

Bei meiner Arbeit als ADHS-Coach erlebe ich immer wieder, dass Kinder Belastungen und Stress erlebten, die über das normale Maß hinausgingen. In den Familien oder auch in Kindergarten und Schule.

Diese Belastungen werden oft nicht weiter beachtet und als normal empfunden. Vielleicht weil man selbst gewohnt war, schon als Kind Verantwortung für Eltern und Geschwister zu tragen. Oder weil man gelernt hat, sich mit den eigenen Bedürfnissen zurückzunehmen und seine wahren Gefühle unterdrücken musste. Diesen Schmerz tragen Mütter und Väter in sich, und er zeigt sich oft erst, wenn sie später selbst Kinder haben.

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„Anders sein“ als Grund für Trauma

Kinder, die „anders“ sind, ecken ständig an: In der Familie, weil Eltern getriggert werden durch das „schwierige“ Verhalten des eigenen Kindes. In Kindergarten und Schule, weil längst nicht alle Pädagogen offen sind für besondere Kinder. Auch wenn Diversität gerade groß geschrieben wird, zeigt sich die Realität noch anders.

Zu den elementaren Bedürfnissen von uns Menschen gehört Sicherheit! Wir sind erst dann sicher, wenn wir uns einer Gemeinschaft zugehörig fühlen.
Besondere Kinder – gerade die sensiblen, aber auch hochbegabte Kinder – werden ausgegrenzt, nur weil sie anders sind. Wie oft höre ich im Coaching von jungen Erwachsenen, dass sie sich Zeit ihres Lebens verstellt haben, weil sie dazugehören und nicht auffallen wollten. Und trotz aller Bemühungen gelang es nicht …

Man kann sich vorstellen, wieviel Energie es kostet, sich dauernd zu verstellen und auf der Hut zu sein, damit man nicht Zielscheibe für Spott und unbedachte verletzende Bemerkungen wird. Die nicht selten auch von Lehrern kommen!

Trauma entsteht nicht nur durch Katastrophen und außergewöhnlich gravierende Erlebnisse. Trauma  entwickelt sich auch durch die schmerzlichen Erfahrungen, wenn die Bedürfnisse eines Kindes regelmäßig und über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend erfüllt werden.
Heike Hahn

ADHS-Symptome als Zeichen für traumatische Erfahrungen

Vor einigen Wochen bin ich auf den wundervollen Podcast der Traumatherapeutin Verena König https://verenakoenig.de/blog-und-podcast gestoßen und habe mir gleich ihr Buch besorgt:
Nach Verena König sind Symptome, die mit Emotionsregulation und Störungen im Sozialverhalten zu tun haben, typische Anzeichen für Trauma. So haben Kinder mit frühen Traumatisierungen Schwierigkeiten sich zu regulieren, zu konzentrieren und mit sich selbst und anderen Menschen zurechtzukommen. Sie erleben häufige Stimmungswechsel und lassen sich schlecht beruhigen. Das alles sind auch Symptome für ADHS.

Körperliche Symptome durch andauernden Stress

Laut Verena König leidet durch den dauerhaften Stress im Nervensystem dieser Kinder auch der Körper und entwickelt unerklärliche Symptome wie Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder eine Überempfindlichkeit auf Berührung und akustische Reize.

Mangelnder Selbstwert durch negative Botschaften

Durch die negativen Botschaften, die diese Kinder oft erhalten, fühlen sie sich wertlos und unzulänglich, so dass sie sich häufig selbst ablehnen. Kinder mit einer Trauma bedingten Entwicklungsstörung leiden außerdem häufig unter Bindungsstörungen und Trennungsangst, Klammern, Depressionen, ADHS, Verhaltensstörungen, Aggression gegen sich und andere oder einem Mangel an Empathie. Sie sind verhaltensauffällig. Diese Traumafolgen sind die Wurzeln so vieler Probleme.
Quelle: Verena König „Bin ich traumatisiert? Wie wir die immer gleichen Problemschleifen verlassen“, GU Mind & Soul, 2021

Bitte keine Schuldgefühle wenn ein Kind ADHS hat!

Bitte habe nach dem Lesen dieser Zeilen kein schlechtes Gewissen! Ich möchte Eltern keine Schuldgefühle einreden. Es geht lediglich darum, sein eigenes Leben mit allen Höhen und Tiefen zu akzeptieren. Eigene Verletzungen und blinde Flecken zu erkennen und nach und nach aufzulösen. Dann sind wir immer mehr in der Lage, unsere Kinder empathisch und mit gelassener Klarheit zu begleiten. Und es geht darum, zu verstehen, warum unsere Kinder Symptome zeigen. Es hat immer Gründe, wenn Kinder verhaltensauffällig werden!

Nicht jedes belastete Kind entwickelt ADHS-Symptome

Bei gleichen Bedingungen entwickelt nicht jedes Kind Symptome, wie sie typisch sind für ADHS: Wutausbrüche, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität. Dazu gehört auch das Temperament, das in den Genen liegt. Häufig findet sich eine besondere Sensibilität: Reize wahrzunehmen, aufzunehmen und sich damit in der Tiefe zu beschäftigen. Diese hochsensiblen Kinder müssen wir achtsam begleiten, damit wir sie nicht durch zu viele Eindrücke überfordern. Gleichzeitig sind die Kinder oft starke Persönlichkeiten mit eigenem Willen, denen es guttut, herausgefordert zu werden. Wir sollten sie also nicht in Watte packen.

Symptome sind Überlebensstrategien

Und hier kommt die Alarmanlage im Kopf von Mathias wieder ins Spiel. Der ausgesprochen sensible Junge hat in seinen zehn Jahren einiges durchgemacht: Eine Risikoschwangerschaft mit vielen Sorgen, ein langer Krankenhausaufenthalt der Mutter, einige Umzüge und Schulwechsel, wenig empathische Lehrer, die ihn mit Strafen und Disziplin auf die Spur bringen wollten. Ist es also nur ADHS, was bei Mathias zu Unruhe und Wutausbrüchen führte?

Es geht darum, Kinder wirklich zu sehen und zu verstehen. Wenn ein Kind sich angenommen und sicher fühlt, braucht es diese Überlebensstrategien nicht mehr.
Heike Hahn

Die größte Heilkraft für die Folgen früherer Traumata liegt in gesunden Beziehungen. Unsere bindungsorientierte Natur ist ausgerichtet auf Verbundenheit, Nähe und Vertrauen.
Verena König

 

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