„ADHS“: Gibt es nicht?

Gibt_es_ADHS

Bei „ADHS“ erregen sich die Gemüter. Die einen behaupten, „ADHS“ sei eine angeborene Krankheit des Gehirns, wo nur Medikamente helfen könnten. Die anderen sehen „ADHS“ als Modediagnose. Die Eltern müssten ihr Kind nur richtig erziehen, dann gäbe es die Probleme nicht. Oder ist „ADHS“ gar eine erfundene Krankheit? Die Pharmaindustrie hätte normales kindliches Verhalten zur Krankheit erklärt, um Profit daraus zu schlagen.

Werfen wir einen Blick darauf, was die Wissenschaft zu „ADHS“ sagt. Das wird jetzt etwas trocken, ist aber wichtig für das Verständnis des Störungsbildes.

ADHS aus Sicht der Wissenschaft
Schauen wir ins ICD-10, das Verzeichnis psychischer Störungen der Welt Gesundheitsorganisation:
„ADHS“ ist im ICD-10 als eigenständige Störung nicht aufgeführt. Die „Hyperkinetischen Störungen“ entsprechen am besten dem Erscheinungsbild von „ADHS“.

Die Probleme der „Hyperkinetischen Störungen“:

  • Mangelnde Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen
  • Die Tendenz von einer Tätigkeit zur nächsten zu wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen.
  • Eine desorganisierte, mangelhaft regulierte, überschießende Aktivität
  • Die Kinder sind oft achtlos und impulsiv und neigen zu Unfällen. Sie werden oft bestraft, weil sie aus Unachtsamkeit Regeln verletzen. Bei anderen Kindern sind sie häufig unbeliebt. Sie sind oft isoliert.
  • Kognitive Beeinträchtigung ist häufig, spezifische Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung kommen überproportional oft vor. Sekundäre Komplikationen sind dissoziales Verhalten und niedriges Selbstwertgefühl.

Beachte: Die Diagnose einer hyperkinetischen Störung fordert das eindeutige Vorliegen eines abnormen Ausmaßes von Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Unruhe, das situationsübergreifend und andauernd ist und welches nicht durch andere Störungen wie Autismus verursacht ist.
Die Störungen bestehen meist ab dem 5. Lebensjahr.

Die diagnostischen Hauptkriterien (Symptome)

  • Unaufmerksamkeit
  • Überaktivität
  • Impulsivität

Die Symptome verursachen deutliches Leiden oder Beeinträchtigung der sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit.
(Auszüge aus ICD-10, 9. Ausgabe 2019)

Wie läuft die Diagnose ab?

Um das Verhalten von den Kindern einzuschätzen, werden Fragebögen eingesetzt. Die Fragen beantworten Eltern und Lehrpersonen. Aus der Auswertung erfolgt nach einem bestimmtem Schlüssel das Ergebnis.
Wann ein Verhalten nicht mehr im normalen Bereich liegt, wird durch statistische Erhebungen bestimmt. Das Gesamtergebnis „hyperkinetische Störung“ ja oder nein, ergibt sich aus den einzelnen Ergebnissen über die verschiedenen Bereiche.

Bedenke: Die Psychologie ist eine Naturwissenschaft. Das bedeutet: Was man nicht messen kann, existiert nicht. Was sich der Fragestellung der Methode entzieht, wird nicht berücksichtigt.
Die Naturwissenschaft gibt Antworten auf einzelne Beobachtungen unter ganz speziellen Bedingungen. Diese Antworten dürfen wir umsichtig interpretieren.

Was Psychologie nicht messen kann, ist die Frage nach größeren Zusammenhängen und dem inneren Leid des Kindes und dessen Familie.

Warum überhaupt eine „ADHS“- Diagnostik?

Die Frage ist berechtigt, schließlich kann die Diagnostik Vor- und Nachteile haben.

Die Nachteile einer Diagnostik:

  • Möglicherweise ruht sich das Kind sozusagen auf der Diagnose aus: „Ich lerne das nie, weil ich ADHS habe.“ Das Kind und die Bezugspersonen erwarten nicht besonders viel, weil das Kind ja ADHS hat. Es kommt dann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
  • Das Kind wird stigmatisiert als krank, gestört, nicht normal.
  • Mit einer positiven Diagnose darf der Kinderarzt oder der Psychiater Ritalin verschreiben. Immer häufiger wird dieser zunächst leichter erscheinende Weg gewählt, ohne andere Wege versucht zu haben.

Die Vorteile einer Diagnostik:

  • Endlich ist klar, warum es die Schwierigkeiten, mit denen die Familie zu kämpfen hat, gibt. Durch die Tests wurde bewiesen: Das Kind ist „anders“. Es hat eine psychische Auffälligkeit, die zum Teil angeboren ist. Das kann entlastend sein. Die Eltern sind nicht „schuld“ an den Problemen.
  • Mit dem Wissen, in welchen Gebieten das Kind Defizite hat, können diese Probleme gezielt angegangen werden. Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, dem Kind  zu helfen!

Bedeutet die Diagnose ADHS automatisch Ritalin?

Nein! Laut der Empfehlung des ICD-10 (Verzeichnis psychischer Störungen) sollen Medikamente nur in besonders ausgeprägten Fällen verordnet werden.

Viele Eltern – die meisten, die ich kenne – scheuen sich, ihrem Kind hochwirksame Psychopharmaka zu geben. Sie informieren sich gründlich, wägen ab und versuchen, ihrem Kind zu helfen.
Hier kommen Elterntrainings, Erziehungsberatung, Elterncoachings, Familientherapie oder Kindertherapie in Frage. Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichend wirken, sind sie bereit, ihrem Kind Ritalin oder ein ähnliches Medikament zu geben.

ADHS - Diagnose

Was sind die Ursachen für  „ADHS“?

„ADHS“ hat immer mehrere Ursachen. Diese sind bei jedem Kind unterschiedlich.

Wichtige Einflussfaktoren sind:

  • Die Genetik, ADHS ist also zum Teil eine Veranlagung, ein Temperament.
  • Prägungen durch das familiäre und schulische Umfeld
  • Erziehungsstil
    Wobei unbedingt zu sagen ist, dass ADHS nicht durch falsche Erziehung verursacht wird! Ein ungünstiger Erziehungsstil kann allerdings ADHS-Symptome verstärken. ADHS-Kinder sind wesentlich herausfordernder als „normale“ Kinder und erfordern viel Wissen und Erziehungskompetenz. Man kann es nicht vergleichen mit der Erziehung von „normalen“ Kindern!
  • Ernährung, Unverträglichkeiten und Allergien
  • Trauma in der Schwangerschaft und der frühen Kindheit
  • Schadstoffe in der Nahrung, Impfungen, Kosmetik,…

Mein Blick auf „ADHS“

Gibt es „ADHS“?

Aus meiner Sicht gibt es „ADHS“. Es gibt nur nicht die eine Krankheit „ADHS“. Vielmehr sind es verschiedene Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale, die zusammengenommen „ADHS“  ausmachen.
„ADHS“ ist der Begriff, der all diese Verhaltensweisen umfasst. Aber jeder versteht etwas anderes unter „ADHS“.
Es gibt noch andere Bezeichnungen für überaktive, temperamentvolle, impulsive Kinder:
Wirbelwinde, temperamentvolle Kinder, gefühlsstarke Kinder, Zappelphilipp,..
Auch gibt es Schnittmengen zu hochbegabten und hochsensiblen Kindern. Es lohnt sich, hier genau hinzuschauen.

„ADHS-Kinder“ sind anders veranlagt

Ein schöner Ansatz zu „ADHS“ ist der von Tom Hartmann. Er bezeichnet die überaktiven, überaufmerksamen, ablenkbaren Kinder als Jäger und Späher, im Gegensatz zu den Farmern. Die Veranlagung zu „ADHS“ ist also ein Relikt aus alten Zeiten, als Reizoffenheit und das Wahrnehmen von kleinsten Veränderungen beim Jagen überlebenswichtig war.
Tom Hartman bewertet nicht. Jäger, Späher und Farmer sind gleichwertig, nur haben sie unterschiedliche Lebensaufgaben.
Diese Haltung gefällt mir sehr gut. Die „ADHS-Kinder“ sind nicht „schlechter“ als „normale“ Kinder. Sie sind anders veranlagt.

Diese Veranlagung hat starke Seiten:

  • erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit
  • Lösungsorientierung
  • rasches Denken
  • viel Energie
  • ausgeprägter Bewegungsdrang
  • intensives Fühlen
  • Spontaneität
  • Offenheit
  • hohe Sensibilität
  • geistige Unabhängigkeit
  • ausgeprägter Bewegungsdrang
  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Warmherzigkeit

Das klingt gut, aber die Kinder und deren Eltern haben dennoch mit vielen Problemen zu kämpfen. Besonders mit dem Schulbeginn kommen die Schwierigkeiten erst richtig auf. Denn in der Schule sind Fähigkeiten gefragt, die bei „ADHS-Kindern“ wenig ausgeprägt sind: Stillsitzen, Zuhören, Anweisungen folgen, das Lernen organisieren, Ordnung halten, sich einfügen, …

Das Drama der „ADHS-Kinder“

In der Schule können die überaktiven, intensiven Kinder ihre eigentlichen Stärken nicht einbringen und werden deshalb leicht verkannt.
Ihre Leistung wird gemessen an den allgemeinen schulischen Anforderungen, und dort können ADHS-Kinder nur selten glänzen. Sie scheitern an Aufgaben, die andere Kinder mit Leichtigkeit erfüllen. Das verunsichert sie.
Die Kinder beginnen spätestens jetzt, an sich selbst und ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Ihr schlechter Selbstwert kann sich auf verschiedene Arten äußern:
Die Kinder ziehen sich zurück. Sie trauen sich nicht, sich zu zeigen, aus Furcht anzuecken. Sie tun alles, um Fehler zu vermeiden.
Oder sie machen durch unangemessenes Verhalten auf sich aufmerksam:
Sie stören den Unterricht, spielen den Clown oder zappeln, um die innere Anspannung abzubauen. Ein „ADHS-Kind“ hat Glück, wenn es auf verständnisvolle, weitsichtige Lehrer trifft, die sich für das Kind interessieren und es nicht einfach nur als „gestört“ abstempeln. Diese Lehrer gibt es!

Das Kind schämt sich nicht nur für sein Verhalten, sondern für seine Existenz. Das ist sehr traurig.
Von Eltern und Kindern habe ich Sätze gehört wie diese:
„Mich mag keiner. Ich werde nie einen Freund finden.“ „Was ist nur los mit mir? Warum bin ich anders als die anderen Kinder.“ „Das Leben hat keinen Sinn. Am liebsten wäre ich tot.“

Da erstaunt es nicht, dass diese Kinder später ihr Glück in Drogen suchen oder im Adrenalin Kick bei gefährlichen Aktionen.

Im Leben geht es einzig um Beziehung

  • Verbindung ist der Grund, warum wir auf der Welt sind.
  • Verbindung kann nur geschehen, wenn wir denken, dass wir es wert sind, geliebt zu sein.
  • Verbindung kann nur geschehen, wenn wir uns sichtbar machen.

Was bedeutet Beziehung für „ADHS-Kinder“?

Das Leid und die Nöte dieser Kinder werden offenbar: Denn sie fühlen sich oft nicht angenommen, so wie sie sind. Sie haben nicht den Mut, sich zu zeigen aus Angst vor Ablehnung und Strafe. Sie schämen sich unbewusst für ihr Dasein. Es ist tragisch, was diese Kinder erleben müssen.

So muss es nicht sein. Es kann auch anders gehen:

  • Machen wir uns frei von falschen Überzeugungen, unser „ADHS-Kind“ sei in irgendeiner Hinsicht fehlerhaft.
  • Öffnen wir unseren Blick und unser Herz für die wundervollen Stärken und den feinen Charakter unseres „schwierigen“ Kindes.
  • Zeigen wir unserem Kind, wie sehr wir es lieben. Bedingungslos.
  • Zollen wir unserem Kind unsere Anerkennung für seine Stärken, sein Bemühen, sein unermüdliches Voranschreiten auf seinem oftmals steinigen Weg, sein Straucheln, Wiederaufstehen und Weitergehen.

Vielleicht ist „ADHS“ sogar ein Geschenk?
„ADHS“ ist heute ein großes, überall präsentes Thema. Ich bin dankbar, dass ich Familien dabei unterstützen darf, ihren eigenen Weg zu finden. Hinaus aus der Überforderung und Verzweiflung, hinein in ein harmonisches, erfülltes Familienleben.

PS. Wenn auch du Unterstützung brauchst, bin ich sehr gerne für dich da. Buche einfach sofort einen Termin für dein kostenloses SOS – Gespräch. Wir treffen uns dann online über Zoom oder am Telefon.

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