ADHS und Pubertät

ADHS_Pubertät

Als ich für diesen Beitrag im Internet verschiedene Fachartikel recherchierte, wurde mir erstmal ganz anders. Es scheint an wahre Wunder zu grenzen, wenn ein Jugendlicher mit ADHS halbwegs unbeschadet durch die Pubertät kommt. 

Bevor du weiterliest, möchte ich dir ans Herz legen, dir immer wieder bewusst zu machen, dass anders und besonders zu sein, nichts ist, wofür man sich schämen muss. Und es bedeutet auch nicht, dass wir und unsere Kinder im Leben große Probleme haben müssen. Im Gegenteil! Wir schauen auf die Stärken und lassen uns nicht irre machen.

Pubertät und ADHS: Eine spezielle Kombi

Die Pubertät ist für alle Jugendlichen eine schwere Zeit. Der Körper verändert sich sichtbar, dabei werden die Proportionen zeitweise unharmonischer. Dazu kommt häufig Akne. Und das alles in einer Zeit, in der Teenager besonders attraktiv sein wollen.

Das Gehirn strukturiert sich um: Die Nervenverbindungen werden massenhaft umorganisiert. Dabei werden häufig genutzte Verbindungen gestärkt und selten benutzte eliminiert.

Durch die überbordenden Hormone fahren die Gefühle Achterbahn.

ADHS Symptome werden intensiver

Die typischen Symptome von ADHS verstärken sich: Innere Unruhe, Zerstreutheit, Reizoffenheit (alles aus der Umgebung wahrnehmen), Impulsivität, intensive Gefühle

Traurige Stimmungen können zu Depressionen werden. Und die sowieso meist abenteuerlustigen Jungs und Mädels neigen noch mehr zu riskantem Verhalten und werden von Alkohol und Drogen magisch angezogen.

Das bei Jugendlichen mit ADHS sowieso schon angeschlagene Selbstwertgefühl wird noch wackeliger. Große Selbstunsicherheit und Selbstzweifel, Aggressionen und Verweigerung können die Folge sein. Einige Kids stehlen oder schwänzen die Schule.

Das Interesse an der Schule nimmt oft noch mehr ab. Die Einsicht, dass man fürs Leben lernt, ist noch nicht vorhanden. Die Leistungen sind sehr abhängig vom Lehrer und den eigenen Interessen.

Aber ich kann dir Mut machen: Nach meinen Erfahrungen läuft es besser, wenn ein Jugendlicher es in die Oberstufe geschafft hat. Denn jetzt können endlich Fächer nach den eigenen Neigungen gewählt werden. Außerdem kristallisiert sich so langsam eine Richtung heraus, in die er oder sie später gehen möchte.

Es gibt nicht das ADHS-Kind!

Jeder junge Mensch – ob mit ADHS oder ohne – hat seine eigenen Stärken und Schwächen und geht auf unterschiedliche Weise mit den Herausforderungen der Pubertät um: Manche stürzen sich auf übertriebene Weise in die Arbeit für die Schule oder ein Hobby, um ihre Unsicherheiten zu überwinden und sind dabei äußerst erfolgreich. Andere verbringen ganze Tage im Bett und tun nichts. Mit sanftem Nachdruck kannst du dann deine Tochter oder deinen Sohn unterstützen, einen halbwegs geregelten Tagesablauf einzuhalten. Allein können sie ihre Lethargie oft einfach nicht überwinden.

Wenn es mit der Schule – nachdem ihr alles versucht habt – so gar nicht klappen sollte, könnte dein Teenager in einer Berufsausbildung glücklicher werden. Danach ist  der junge Mensch ein ganzes Stück gewachsen und gereift. Oft finden sich dann ganz andere Zukunftsperspektiven, von denen ihr jetzt nicht träumen könnt. Denk immer dran, dass dein Kind große Potentiale in sich trägt! Auch wenn die Schulleistungen gerade eine andere Sprache sprechen. Das sind nur Momentaufnahmen, deshalb versucht euren Blick in die Zukunft zu richten. Schulnoten sind nicht maßgeblich für einen gelungenen Lebensweg.

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In der Pubertät dominieren Gefühle und nicht das Denken

In der Pubertät sind die Emotionen sehr intensiv. Das liegt daran, dass auf biologischer Ebene die Amygdala (Emotionszentrum) in der Pubertät deutlich aktiver ist. Bei  Jungen führt das Anfluten von Testosteron zu Aggressivität und draufgängerischem Verhalten.
Dazu sorgt ein unausgereifter Nucleus accumbens (Teil des Belohnungssystems) für weniger Motivation.
Ab dem neunten Lebensjahr werden Rezeptoren für Dopamin (sorgt für Glücksgefühle) um bis zu 30% abgebaut. Dieser Effekt ist bei Jungs noch stärker als bei Mädchen. Jugendliche fühlen sich deshalb häufiger antriebs- und lustlos. Sie brauchen stärkere Reize, um sich gut zu fühlen.
Daher suchen Jugendliche das Risiko, den Kick. Sie können es aber schlecht einschätzen und geraten deshalb schneller in gefährliche Situationen.
Kurz gesagt, Jugendliche suchen starke Gefühle, haben sich aber dabei oft nicht im Griff. Das gilt umso mehr für  Jugendliche mit ADHS, die von Haus aus einen Hang zu extremen Gefühlen und riskantem Verhalten haben.

Der Melatonin-Haushalt ändert sich. Das „Müde-mach-Hormon“ wird mit ca. 2-stündiger Verspätung produziert. Das bewirkt, das junge Menschen zwei Stunden später müde werden und entsprechend am Morgen zwei Stunden länger schlafen wollen. Was in Schulzeiten leider nicht geht.

Erwartungen an junge Menschen

Die Erwartungen unserer Gesellschaft an junge Menschen in der Schule nehmen auf die natürlichen Entwicklung in der Pubertät keine Rücksicht. Von Kindern und Jugendlichen wird immer mehr gefordert, sich an die rasante Entwicklung von Technologie und Wirtschaft anzupassen. Dabei benötigen viele junge Menschen in der sensiblen Phase der Pubertät Zeit und Raum für sich. Damit sie sich selbst richtig kennenlernen und ihren eigenen Weg finden können.

Fähigkeiten, die von heranwachsenden Menschen erwartet werden:

  • Selbstorganisation
  • Zuverlässigkeit
  • Eigenverantwortung
  • Steuerung der Emotionen
  • Fähigkeit, sich in die Gemeinschaft einzugliedern
  • Funktionieren
  • Loslösung von den Eltern 
  • Entwicklung der eigenen Sexualität
  • Aufbau von Beziehungen 
  • Umgang mit Konsum
  • Entwicklung einer eigenen Identität
  • Lebensentwurf,
  • Berufswünsche

Wir können uns eine bessere Welt wünschen und uns dafür einsetzen, indem wir zum Beispiel kindgerechte Schulen einfordern. Bis sich in diesem Bereich etwas zum Positiven ändert, gibt es ganz praktische Strategien, die deinem Teenager sofort helfen:

  • Strukturen
  • Stoische Gelassenheit
  • Probleme nicht im Außen sehen
  • Eigene Stärken und Schwächen erkennen und akzeptieren
  • Meditieren lernen
  • Künstlerisch tätig sein
  • Sport, wenn er oder sie daran Freude hat
  • Kommunikation
  • Vertrauen in die Ressourcen deines Teenagers
  • Gelassen bleiben
  • Verantwortung übergeben
  • Versichern, dass man da ist, was immer passiert
  • Sich an die eigene Jugend erinnern
  • Klare Erwartungen aussprechen
  • Konsequenzen überlegen, die ihr durchziehen könnt
  • Vorbild sein

Geeignete Berufe für Menschen mit ADHS

Es gibt viel Berufe, in denen temperamentvolle und intensive Menschen erfolgreich und glücklich sein können. Hier kommt es darauf an, dass ADHSler ihre besonderen Stärken einsetzen können:

  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Empathie
  • Feinfühligkeit
  • Führungspersönlichkeit
  • Beharrlichkeit
  • Kreativität
  • Visionäres Denken
  • Beharrlichkeit
  • Charisma
  • über den Tellerrand denken
  • künstlerische Begabung

Geeignete Berufe für Menschen mit ADHS

Therapeutische Berufe, Journalismus, Influenzer, Berufe im Sport, Autor/in, künstlerische Berufe, Manager/in, Gärtner/in, lehrende Berufe, Handwerk, …

Schlusswort von Herzen: Sage deinem Teenager immer wieder, dass du an ihn oder sie glaubst! Dass du seine/ihre Stärken kennst und darauf vertraust, dass er/sie seinen Weg macht! Besonders und andersartig sein ist nichts, wofür man sich schämen muss. Im Gegenteil, es ist eine Gabe! Lasst euch nicht verunsichern und traut euch, dieses Geschenk anzunehmen! 🧡

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