ADHS und Wut

ADHS und Wut

Wut ist eine heftige Emotion, die uns erschrecken kann, weil wir sie im ganzen Körper spüren. Dabei ist die Wut unsere Helferin, denn sie will uns schützen, damit niemand über unsere Grenzen geht. Wut ist also eine gesunde und hilfreiche Emotion.

Zum Problem wird Wut, wenn wir uns nicht mehr im Griff haben, toben und Dinge tun oder sagen, die uns hinterher leidtun.

Einige Kinder sind dauernd unterschwellig wütend, andere haben tägliche Wutausbrüche und einige richten ihre Wut gegen sich selbst. Wut kann Freundschaften zerstören und in der Schule große Probleme verursachen. Spätestens dann suchen Eltern Hilfe bei mir.

Aber auch in der Familie kann Wut an der Tagesordnung sein. Dann besteht Handlungsbedarf, denn ein aggressiver und verletzender Umgang miteinander kann die ganze Familie zerstören.

Die Gesichter der Wut

Wut kann viele Gesichter haben:

  1. Machtspiel – Das Kind hat die Macht über die Eltern
  2. Hilfeschrei, Frustration und unterdrückte Gefühle
  3. Reaktion auf Provokationen
  4. Perfektionismus
  5. Ein Reflex
  6. Wut im Familiensystem

Um herauszufinden, warum dein Kind wütend ist und welche Art Wut dahintersteckt, stelle dir diese Frage: Wie fühlt sich das Kind nach einem Wutanfall?

  • Wenn es mit seinem Verhalten zufrieden ist und triumphiert, handelt es sich um einen Machtkampf. Das Kind erreicht mit seiner Wut, dass es sich durchsetzt, denn seine Eltern geben entnervt auf.
  • Hat das Kind nach dem Wutausbruch ein schlechtes Gewissen, es entschuldigt sich und möchte die Sache am liebsten ungeschehen machen, dann hat die Wut eine andere Ursache. Dem gilt es, auf den Grund zu gehen. Die gute Nachricht ist hier, dass das Kind sein Verhalten ändern will!

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Die Hauptursachen für Wutanfälle

  1. Wut als Machtmittel
  2. Kinder sind in einem Mangel
  3. Provokation
  4. Perfektionismus, hohe Ansprüche an sich selbst
  5. Reflex: rote Zone
  6. Laute Worte sind an der Tagesordnung

Wut als Machtmittel

Wenn ein Kind mit seinen Wutausbrüchen Erfolg hat, ist es wenig darin interessiert, dieses Verhalten abzustellen. Das Kind hat dieses Verhaltensmuster über die Jahre erlernt, weil die Eltern es nicht geschafft haben, Grenzen zu setzen. Oft sind es Eltern, die sich nicht trauen, nein zu sagen. Das geschieht unbewusst aus der Angst heraus, dass ihr Kind sie dann weniger lieben könnte. Diese Befürchtung ist unbegründet, denn jedes Kind liebt seine Eltern bedingungslos. (Selbst vernachlässigte Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen halten im Zweifelsfall immer zu ihren Eltern.)

Um aus diesem ungünstigen Muster herauszukommen, die dem Kind selbst schaden, sind jetzt klare Grenzen und Konsequenzen nötig. Ja, das ist anstrengend! Und manchmal fehlt uns einfach die Energie zum Nein sagen. Denk dann unbedingt daran, dass dein Kind lernen muss, mit einem Nein klarzukommen. Dann erst kann es stark werden und die nötige Resilienz aufbauen, die ihm hilft, im Leben zu bestehen. Wenn euch bewusst ist, welche Werte ihr in eurer Familie habt, richtet eure Familienregeln daran aus. Maximal 5 Familienregeln sind genug, sonst macht ihr euch und das Kind verrückt. Und behalte im Kopf, dass es ein Nein aus Liebe ist!

So bewegst du dein Kind zur Mitarbeit:
Zeig ihm auf, welche Nachteile es in der Schule und mit anderen Kindern hat, wenn es bei jeder Kleinigkeit explodiert.
Frag es: „Wie würde deine Zukunft aussehen? Wie würde die Welt aussehen, wenn alle Menschen aggressiv ihre Wünsche durchsetzen würden.“
„Wie wäre es, wenn du freundlicher reagieren würdest?“ Spielt die Reaktionen der anderen Menschen durch.
„Zu explodieren ist eine Schwäche, denn dann verlierst du die Kontrolle. Dagegen ist ruhig und gelassen bleiben eine Stärke.“

Wut aus Mangel

Wenn Wut aus einem Mangelbewusstsein resultiert, ist es entscheidend, dass du herausfindest, was deinem Kind fehlt. Spiele Detektiv und beobachte dein Kind über einige Tage hinweg.

Führe ein Protokoll:

  • Was genau ist passiert?
  • Wann treten die Wutausbrüche auf?
  • Was fehlt meinem Kind?
  • Was möchte es mir damit sagen?

Wird dein Kind genügend gehört und gesehen in eurer Familie? Manchmal laufen ältere Kinder einfach mit, weil es ein neues Baby gibt oder ein Geschwister, auf dass du deine ganze Aufmerksamkeit richtest.
Wenn du die Ursachen kennst, kannst du gezielt den Mangel beheben und die Bedürfnisse deines Sohnes oder deiner Tochter erfüllen. Du musst das nicht allein schaffen. Beziehe deinen Partner, deine Partnerin oder auch andere Menschen mit ein.

Wut als Reaktion auf Provokation

Rastet dein Kind aus, weil es sich provoziert fühlt? Vielleicht wird es sogar gemobbt? Vielleicht möchte dein Kind nicht darüber sprechen. Aber du merkst, dass etwas nicht stimmt, wenn deine Tochter oder dein Sohn nicht zur Schule gehen will. Du kannst es oft an der Körperhaltung sehen. Das Kind wirkt geknickt und unsicher. So wird es leicht zur Zielscheibe von Spott.

Manchmal gibt es auch Kinder, die Angriff ausstrahlen.  Sie gehen durch die Welt, als müssten sie sich ständig verteidigen. Und genau diese Haltung provoziert Angriff.

Raus aus der Mobbingfalle:
Hilflosigkeit und Ohnmacht sind sehr unangenehme Gefühle. Stärke den Selbstwert deines Kindes, indem du es möglichst oft lobst und ihm zeigst, dass du es liebst, so wie es ist. Übt Sätze ein, die das Kind sagen kann, wenn es seinem Mobber gegenübersteht. Dann bekommt der Mobber plötzlich Gegenwind, mit dem er nicht gerechnet hat. Damit kann er überhaupt nicht umgehen.

Sehr gut wirken auch imaginäre Ohrenfilter: Dein Kind stellt sich vor, dass es Filter in den Ohren hat und damit die gemeinen Worte nicht hört.

Wenn alles nichts hilft, nimm dein Kind aus diesem schädigenden Umfeld heraus. Manchmal ist nur noch ein Schulwechsel die Lösung.

Wut aus Perfektionismus

Manche Kinder stellen übertrieben hohe Erwartungen an sich selbst. Häufig sind es Mädchen, manchmal aber auch Jungs. Diese selbsterzeugte Wut ist nach innen, gegen sich selbst gerichtet. Wenn der innere Druck zu stark wird, verletzen sich manche Kinder und Jugendlichen selbst. Oder sie zerstören Dinge, die ihnen wichtig sind. Hinter dieser Wut stecken Scham oder Schuldgefühle.

Was steckt dahinter?
Finde heraus, warum dein Kind glaubt, perfekt sein zu müssen. Stehen Erwartungen von euch Eltern dahinter? Dann bist du wahrscheinlich selbst perfektionistisch. Der erste und wichtigste Schritt zu einer tiefgreifenden Veränderung ist, dass du in den Spiegel schaust und dich fragst, wie es um deine Selbstliebe steht.

Sind es Versagensängste? Hat es Angst nicht mehr geliebt zu sein, wenn es keine Leistung zeigt? Zeig ihm alle deine Liebe, bedingungslos. So wie in dem Moment, als du dein Kind nach der Geburt staunend und glücklich als Baby in deinem Arm gehalten hast. Damals ging es dir bestimmt nicht darum, was dein wundervolles Baby einmal im Leben erreichen wird. Erlebe dieses tiefe Gefühl von Staunen und Dankbarkeit erneut.

Wut als Reflex

Wenn Wut ein Reflex ist, explodiert das Kind ohne Vorwarnung wie ein Vulkan. So plötzlich wie es begonnen hat, so schnell ist es vorbei. Wenn man das Kind fragt, hat es keine Ahnung, was passiert ist. Der Wutanfall überkommt das Kind regelrecht. Hier können wir ansetzen. Es handelt sich um einen Reflex aus der Evolution. Hier war es sinnvoll bei Gefahr – Stress! – ohne zu zögern anzugreifen, zu fliehen oder zu erstarren. Dieser Überlebensmodus ist heute noch in uns aktiv.

Das Reptiliengehirn greift an
Diesen Vorgang, den es schon bei den Steinzeitmenschen gab, können wir dem so Kind erklären: „In deinem Gehirn gibt es einen Bereich, der immer noch wie bei den Steinzeitmenschen funktioniert. Dieser Teil von Gehirn heißt Reptiliengehirn. Das Reptiliengehirn springt an, wenn du dich bedroht fühlst. Es übernimmt dann die Kontrolle über dein Verhalten. Meistens geht von der Bedrohung keine wirkliche Gefahr aus.

Aber dein Reptiliengehirn – die Echse in deinem Kopf – kann das nicht unterscheiden. Es will dich beschützen. Aber du kannst die Echse in deinem Gehirn beruhigen und ihr klarmachen, dass keine wirkliche Gefahr besteht. Sobald du also Anspannung in deinem Gehirn oder deinem Körper wahrnimmst, sag deiner Echse, dass alles gut ist. Stell dir vor, die Echse liegt in deiner Hand und streichle sie.“  Noch besser funktioniert das, wenn dein Kind eine kleine Stoffechse, einen Gecko oder ein ähnliches Reptil besitzt, dass es in Stresssituationen streicheln kann.

Wut im Familiensystem

In manchen Familien geht es immer laut zu. Ein Wort ergibt das andere, und dann schreien bald alle. Wegen allem gibt es lautstarke Diskussionen: Ob es um Mithilfe im Haushalt geht, Aufräumen, die Hausaufgaben. Die Familienmitglieder beschuldigen sich gegenseitig, wenn es ein Problem gibt. Schwierigkeiten werden nicht gemeinsam gelöst, sondern Schuldige werden gesucht. Oft glauben Kinder in solch einem Familiensystem, dass ihre Eltern sie nicht mögen und gegen sie sind. Was natürlich nicht stimmt. Die Eltern sind nur nicht in der Lage, den Kindern ihre Liebe zu zeigen, weil sie es in ihrer Herkunftsfamilie selbst nicht erlebt haben.

Frieden statt ewigem Kampf
In einer solchen Familie fühlen sich die Kinder ungeliebt und glauben, sie hätten nichts zu verlieren. Dann begehren sie auf: Mit Kraftausdrücken, Widerworten, Schlagen, Treten und rebellischen Verhalten. Wenigstens werden sie dann gesehen!

Hier ist es an den Eltern, die Verantwortung für den Familienfrieden zu übernehmen. Oft hilft eine Erziehungsberatung oder besser noch ein Coaching. Durch das Erkennen von schädlichen Familienprogrammen schaffen wir Ordnung im System, und dann kann jeder seinen Platz in der Familie einnehmen. Das Kämpfen wird überflüssig und Respekt und ein liebevolles Miteinander ziehen ein.

Wie du siehst, haben Wutausbrüche die unterschiedlichsten Ursachen. Es lohnt sich, die Beobachterposition einzunehmen und genau hinzuschauen, warum dein Kind immer wieder austickt. Und dann kannst du das Problem ganz gezielt mit konkreten Schritten angehen.

Meine Inspirationsquelle zu diesem Blogartikel war das Buch: „Ausgerastet!: Wie Kinder ihre Wut in den Griff bekommen“, Sonya Mosimann und Claudia Dübendorfer, epubli; 2. Edition (8. Oktober 2021)

In ihrem Buch schildern Sonya Mosimann und Claudia Dübendorfer, wie Kinder und Eltern die vielfältigen Arten der Wut in den Griff bekommen haben. Sie tun das mit der von Sonya entwickelten Methode: mindTV Visualisierungscoaching.
mindTV ist eine ungewöhnliche und wirksame Methode hinter der ich zu 100% stehe: Bei meiner Arbeit mit ADHS-Kindern erlebe ich durch mindTV immer wieder tolle Veränderungen.

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