Entspannt umgehen mit digitalen Medien auch bei ADHS

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Das kann doch nicht gesund sein!

Ganz klar, Smartphone und Konsole sind nicht wegzudenkende Begleiter unserer Kinder. Aber dass die Kids jeden Tag so viele Stunden mit gesenkten Köpfen in die Geräte starren, macht uns dann doch Sorgen. Das kann doch nicht gut sein! Und kaum schreiten wir ein, beginnen die Diskussionen. Wir Eltern sind den dauernden Kampf leid. 

Entweder wir geben ganz auf oder suchen nach Lösungen: In Ratgebern, auf YouTube, bei Experten, wie dem Hirnforscher Manfred Spitzer.
Dort finden wir viele interessante Informationen. So wissen wir theoretisch immer mehr, aber was können wir ganz praktisch und konkret tun? Und genau das sagen uns die Experten leider meistens nicht.

Die analoge Welt mit der den Vorteilen der digitalen Welt verbinden

Wir wollen uns von der Digitalisierung nicht das Leben bestimmen lassen, sondern die analoge Welt mit den Vorteilen der digitalen Welt verbinden. Aber wie bekommen wir das hin?

Zuvor eine kleine Anekdote aus meiner Familie: Letztes Weihnachten lag die heiß ersehnte Nintendo Switch unterm Weihnachtsbaum. Die erwachsenen Geschwister erfüllten ihrem kleinen Bruder, er war 11, seinen dringenden Wunsch. Die Switch war dann auch ein voller Erfolg und sorgte an den Feiertagen für stundenlange, ruhige Beschäftigung.
Ich hatte endlich Zeit für mich und konnte entspannt einen dicken Roman am Stück verschlingen. Aber es fühlte sich nicht gut an …  War das der erste Schritt in den Kontrollverlust, in die Sucht? Hoffentlich ließ die Begeisterung bald nach und er würde sich den Legokästen zuwenden, die neben dem Weihnachtsbaum auf ihn warteten.
Das tat er auf gutes Zureden dann auch, und bald war er in der Legowelt versunken. Ich atmete erstmal auf. Dennoch war ich über dieses Geschenk nicht glücklich, denn die Switch sorgt bis heute für jede Menge Diskussionen.

Technische Geräte übernehmen die Führung

Ohne Frage ist es faszinierend, wie schnell Kinder mit der Technik zurechtkommen, während wir Großen oft eine ganze Weile brauchen, um uns in neue Apps und Online-Tools hineinzufuchsen.

Natürlich ist unsere Gesellschaft schon lange in der Digitalisierung angekommen, die – egal, wie man dazu steht – nicht wegzuleugnen ist. Und es ist es wichtig, dass die Kids gut vorbereitet sind. 

Aber als Eltern wären wir unserem Nachwuchs gern einen Schritt voraus. Wie Jesper Juul so treffend sagte, sollten wir Leitwölfe für unsere „Jungen“ sein. Und nun ist’s genau andersrum: Die elektronischen Geräte, Apps, YouTube breiten sich mit solcher Geschwindigkeit im Leben unserer Kinder aus, dass wir nicht mehr hinterher kommen.
Und ehrlich gesagt, wer möchte sein Kind auf Schritt und Tritt kontrollieren. Und wer, bitteschön, hätte die Zeit dazu?

Es ist ein Dilemma: Wir haben die Verantwortung, unseren Nachwuchs stark, kompetent und selbstbewusst ins Leben zu entlassen. Und nun übernehmen technische Geräte die Führung! Hilfe, was können wir tun?

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Warum eigentlich ziehen Nintendo und Smartphone Kinder so in ihren Bann?

Ganz einfach, die Spiele werden nach allen Erkenntnissen der Psychologie entwickelt:

  • Kinder können beim Gamen einfach Erfolg haben auf Knopfdruck. Das gibt es sonst nirgendwo im Leben. Dort braucht es eine gewisse Anstrengung, um Erfolg zu erleben.
  • Spiele sind so aufgebaut, dass der Spieler ständige Belohnungen erlebt. Nach jedem virtuellen Sieg wird das Gehirn von Dopamin geflutet. Das kann schon süchtig machen. (Keine Sorge, Spiel- und Onlinesucht ist nochmal eine ganz andere Kategorie.)
  • Beim Spielen sind Kinder im Flow. Das Spiel fordert sie so, das es nie langweilig wird und geht gerade an die Grenze knapp bis zur Überforderung. Diesen Zustand liebt unser Gehirn und belohnt uns mit Glückshormonen.
  • Bei Gamen oder Anschauen eines Videos erleben Kids Spaß und Abenteuer ganz bequem auf dem Sofa oder Bett. Am Wochenende ohne Duschen, Anziehen und Rausgehen. 😏

Wege aus den digitalen Dilemma

Wie schaffen wir Eltern es, den Medienkonsum unseres Nachwuchs zu begrenzen und die Kontrolle über die Inhalte zu behalten?

Eins ist klar: Verbote sind keine Lösung. Denn dann werden Smartphone und Konsole noch begehrter. Auch würde unser Sohn oder unsere Tochter zum Außenseiter in der Peergroup.

Strategien, die vielversprechender sind:

  • Feste Zeiten, abgestimmt auf das eigene Kind, sind viel sinnvoller und erfolgreicher.  Wenn dein Kind ausreichend andere Beschäftigungen und Hobbys neben den elektronischen Geräten hat, ist alles okay. Frag dich: Bist du mit seinem Sozialverhalten zufrieden? Kommt es in der  Schule klar? Macht sie oder er einen glücklichen Eindruck? Dann kannst du entspannen, es besteht kein Handlungsbedarf.
  • Wenn du feste Zeiten für Smartphone und Konsole einführen willst, ist es schlau, Puffer einbauen, damit das Level zu Ende gespielt werden kann … Dadurch ersparst du dir manche Diskussion.
  • Eine Rolle spielt auch, wofür das das Smartphone oder Tablet genutzt wird. Kinder und Jugendliche recherchieren im Internet für die Schule, schauen spannende Dokus und chatten mit ihren Freuden.

Was, wenn es endlose Diskussionen um die Geräte gibt?

Es ist wie beim Anschnallen im Auto. Du weißt, was für dein Kind richtig ist und setzt dich durch. Wenn du von deiner Forderung richtig überzeugt bist, trittst du selbstbewusst auf, und das macht Eindruck! Probier’s aus.

Einfach das WLAN ausschalten? Am Wochenende ist das toll. Internetfreie Zeit für die ganze Familie. Anonsten finde ich diesen Ansatz schwierig. Denn oft verfügen auch die Kids über mobile Daten. Außerdem kann in dieser Zeit keiner in der Familie im Internet sein. Hm. Wollen wir das wirklich?

Eine coole Möglichkeit ist es, die Zeiten für die einzelnen Apps zum Beispiel über die Familienfreigabe auf dem Smartphone zu begrenzen. Damit komme ich sehr gut zurecht. Wenn die Zeit abgelaufen ist, kann mein Sohn weitere Minuten bei mir anfordern. Auch über die Entfernung, wenn er oder ich nicht zu Hause sind.

Wie ist es mit Alternativen zu Konsole und Smartphone?

Aus Sicht der Kids gibt es da nicht viel. Gamen ist bei vielen Jungs zwischen 10 und 17 die Lieblingsbeschäftigung Nummer 1. Bei den Mädels sind dafür Instagram und Tiktok angesagt.

Hier sind wir Eltern gefragt und dürfen Angebote machen:

  • Lesen: Ganz analog. Bücher und auch mal einen Comic.
  • Sport
  • Ein Musikinstrument lernen
  • Zu Hause beim Werkeln und Renovieren mitmachen
  • Geräte und Fahrräder reparieren mit YouTube Anleitung 
  • Verantwortung für Haustiere übernehmen
  • gemeinsam Zeit verbringen

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Erich Kästner

Machen digitale Medien dumm und krank?

Videos anschauen macht Spaß, und Kinder lernen etwas dabei. Aber erwerben sie dadurch Fähigkeiten? Nein! Erst durch Ausprobieren und Trainieren werden Fähigkeiten ausgebildet. Dann erst erleben sie, was mit Selbstwirksamkeit gemeint ist: Nämlich eine Fähigkeit aus eigener Kraft und mit Durchhaltevermögen zu erlangen. Das fühlt sich unvergleichlich gut an, setzt Belohnungs- und Glückshormone frei und stärkt das Selbstwertgefühl.

Es ist eben etwas ganz anderes: Ein kompliziertes Modell aus Lego gebaut zu haben, ein Musikstück spielen zu können, eine persönliche sportliche Bestleistung erreicht zu haben, als anderen Menschen auf Videos dabei zuzusehen.
Schau dir dazu gern auch in meinen Artikel „Warum Bildschirmmedien schlecht fürs Gehirn sind

Es gibt noch mehr Gründe, warum elektronische Geräte nicht den Alltag unserer Töchter und Söhne bestimmen sollten:

  • Immer mehr Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen. Das liegt daran, dass die Augen viele Stunden im Nahmodus auf die Geräte gerichtet ist. Dazu kommt Tageslichtmangel, weil die Kinder heutzutage viel weniger an die frische Luft gehen. Das hat eine Studie der Uniklinik Tübingen herausgefunden.
  • Handynacken:  Durch die ständig gebeugte Haltung kann die Halswirbelsäule verknöchern. Das belegt die Hansraj Studie, USA 2914 
  • ADHS Symptome nehmen zu: Kinder die viel Zeit an Bildschirmen verbringen, können sich nachweislich schlechter konzentrieren. Und dazu nimmt die Frustrationstoleranz –  die Fähigkeit, sich anzustrengen, um ein Ziel zu erreichen – ab.

Die Dosis macht das Gift

Meine persönliche Haltung, nachdem ich mit meinen Kindern so ziemlich alles ausprobiert habe: Mir gefällt ein gelassener, lösungsorientierter Ansatz. Also mit Bildschirmzeiten flexibel umgehen, das Kind – Ist es glücklich? Kommt es in der Schule klar? – im Auge behalten. Und wenn es nötig ist, die Bildschirmzeiten konsequent zum Beispiel mit einer entsprechenden App begrenzen. Diese Maßnahme ruhig und in aller Klarheit dem Kind mitteilen. Je älter das Kind ist, desto mehr Mitspracherecht können wir ihm natürlich einräumen.

Was denkst du? Wie sind deine Erfahrungen mit digitalen Medien in deiner Familie? Über Tipps und Anregungen freue ich mich sehr. Schreib sie unten in die Kommentare.

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