Hochsensibilität und ADHS. Warum die Unterscheidung keine Rolle spielt.

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„Sei doch nicht so empfindlich!“

„Du bist eine Prinzessin auf der Erbse.“ „Leg dir doch mal ein dickeres Fell zu.“  „Nimm doch nicht immer alles gleich so persönlich.“

Kommt dir das bekannt vor? Dies und anderes habe ich als Kind oft gehört. Auch heute wird mir immer wieder geraten, einfach weniger empfindlich zu sein. Tja, wie macht man das? Weniger empfindlich sein, sich ein dickes Fell zulegen?

Gehörst du auch zu den empfindsamen, besonders sensiblen Zeitgenossen? Beeinträchtigt deine Sensibilität sogar manchmal deine Lebensqualität?

Menschen mit ADHS, sehr temperamentvolle Menschen, Menschen, die besonders intensiv fühlen, sind meistens sehr empfänglich für äußere Reize. Sie saugen Eindrücke aus der Umgebung auf, wie ein Schwamm. Das ist bei den meisten seit der frühesten Kindheit so.

 

Situationen, die für sensible Kinder oft schwierig sind:

 

Im Supermarkt

Sehr sensible Kinder sind schnell überfordert von den vielen Eindrücken, die ungefiltert auf sie einstürmen. So kann der Besuch im Supermarkt zu einer echten Herausforderung werden, die das Kind (und uns!) an unsere Grenzen bringt: Die vielen Menschen, die bunten Farben, das grelle Licht, Stimmen, die aus den Lautsprechern kommen, dazu noch Musikberieselung und oft ist es viel zu warm. Plötzlich wird das Kind unausstehlich, fordernd, will dieses und jenes.

Am Ende rennt es unkontrolliert durch die Gänge oder wirft sich wütend auf den Boden. Manchmal reißt es dabei noch etwas aus den Regalen. Wir kriechen dann über den Boden und sammeln die Sachen wieder ein. Und die anderen schauen zu und denken…

Das sind sehr unangenehme Gefühle für alle. Das Kind wird überschwemmt von seinen Emotionen. Es weiß selber nicht, was mit ihm los ist. Es fühlt sich sehr unwohl in seiner Haut. Und wir Eltern sind eben so hilflos. Wir schämen uns, weil das Kind wieder einmal unangenehm auffällt. Wir sind wütend auf das Kind, weil es unsere Pläne durchkreuzt, einfach in Ruhe einzukaufen. Wenn wir selber sehr sensibel sind, kommen wir an unsere Grenzen. Die Nerven liegen blank. Am liebsten würden wir das Kind packen und den Laden sofort verlassen.

Kindergeburtstage

Eine Herausforderung der besonderen Art sind Kindergeburtstage. Das Kind freut sich schon seit Wochen auf den großen Tag. Einladungskarten werden gebastelt und an die besten Freunde verteilt. Wir überlegen uns ein spannendes Programm, denn die Kinder von heute sind anspruchsvoll und haben vom Ponyreiten bis zur Ritterparty schon vieles erlebt. Es wird Kuchen gebacken, Salate vorbereitet, Getränke bereitgestellt. Natürlich besorgen wir kleine Gastgeschenke. Es soll schließlich ein unvergesslicher Tag werden.

Dann kommt endlich der große Tag. Die Gäste treffen ein, alle sind fröhlich, haben Spaß. Und was ist mit dem Geburtstagskind? Es wird immer stiller und zieht sich schließlich zurück in sein Zimmer. Gutes Zureden und die Aufforderung, sich den Gästen wieder anzuschließen, bewirken leider gar nichts. Das Kind fängt nun auch noch an zu weinen. Irgendwann beruhigt es sich und kehrt zurück zu den anderen Kindern, die meistens kaum bemerkt haben, dass der kleine Gastgeber eine Weile verschwunden war. Zum Glück!

So war das Fest dennoch ein Erfolg. Das Geburtstagskind freut sich am Abend, dass alle wieder gegangen sind und geht erschöpft zu Bett. Wir machen uns ans Aufräumen und fragen uns, was mal wieder mit dem Kind los war. Warum kann es nicht einfach mal zufrieden und unkompliziert sein?

Morgens im Bad

Vielleicht kommt dir auch diese Situation bekannt vor? Jeden Morgen beim Anziehen dasselbe Spiel: Das Etikett des neuen Pullovers kratzt im Nacken. Es muss sofort herausgetrennt werden. Die Naht in den Socken stört so sehr, dass das Kind diese Socken nicht anziehen kann. Die Jeans ist nicht weich genug, bei der Cordhose wiederum drückt der Bund.

Hochsensibel oder ADHS - Darum spielt es keine Rolle

Was du tun kannst:

Ganz schön anstrengend! Was tun?
Im Laufe der Zeit habe ich Strategien entwickelt, mit der hohen Sensibilität meiner Kinder (und meiner eigenen!) umzugehen. Vielleicht hilft auch dir der eine oder andere Tipp:

  • Kritische Situationen vorhersehen, damit du vorbeugen kannst:
    Einkaufszentrum, lange Bahnfahrten, Rummelplatz, lange Tage, hungriges Kind, gesundheitlich angeschlagenes Kind.
  • Dafür sorgen, dass die eigene Batterie aufgeladen ist:
    Sorge für dich! Schau, dass du genügend Zeit für dich und deine Bedürfnisse findest. Tue viel von dem, was dir Spaß macht.
  • Dich kennenlernen:
    Bist du in- oder extrovertiert? Brauchst du regelmäßig Zeiten der Ruhe, um Energie zu tanken? Oder brauchst du Kontakt zu anderen, um deine Energiespeicher wieder zu füllen?
  • Anstrengende Situationen verlassen:
    Kalkuliere ein, die Party, das Möbelhaus, das Schwimmbad eventuell früher zu verlassen, als du es gerne hättest. Gehen, wenn es noch schön ist.
  • Möglichst viel in der Natur sein:
    Landschaft, Wälder und Parkanlagen haben eine beruhigende und entspannende Wirkung. Eine halbe Stunde Spazierengehen kann Wunder bewirken.

Und die positiven Seiten der hohen Sensibilität?

Empfindsame Menschen fühlen intensiver und nehmen mehr wahr als die meisten anderen. Das ist ein großer Schatz. Das Erleben empfindsamer Menschen ist äußerst intensiv. Ein Spaziergang durch den Herbstwald führt zu einer Flut an Eindrücken: das Rascheln der Blätter unter den Füßen, die warmen Farben, der Geruch nach Pilzen, die kühle Luft und die Vorfreude auf eine warme Tasse Tee.

  • Empfindsamkeit ist Voraussetzung für kreative und künstlerische Tätigkeiten.
  • Empfindsame Menschen sind empathisch und können sich besonders gut in andere hineinversetzen.
  • Empfindsame Menschen können gut allein sein und kennen keine Langeweile.
  • Empfindsame Menschen haben ein weiches Herz.

Was brauchen empfindsame Menschen? Was kannst du tun, um mit deiner Sensibilität und der deines Kindes gut umzugehen?

Das Zauberwort heißt Balance. Herausfinden, was genau die richtige Menge an Eindrücken ist, damit es dir und deinem Kind gut geht.

  • Schütze dich und dein Kind vor allem, was zu viel werden könnte: Lärm, vielen Menschen, Gerüche, Überstimulierung, Essen, Aktivitäten,…
  • Mach dir bewusst, dass Reize, die dich belasten, mindestens ebenso dein sensibles Kind quälen.
  • Sorge für dich, solange du noch genügend Energie hast! So kannst du liebevoll auf die Bedürfnisse von euch beiden eingehen.
  • Fülle deine Energiereserven auf, wenn du stark gefordert warst.
  • Hilf deinem Kind dabei, mit seiner eigenen Empfindsamkeit umzugehen. Bringe ihm bei, zu spüren, wo seine Grenzen sind und diese auszudrücken.

Wie gehst du um mit deiner hohen Sensibilität? Wie unterstützt du dein Kind? Schreib’s unten in die Kommentare.

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2 Kommentare zu „Hochsensibilität und ADHS. Warum die Unterscheidung keine Rolle spielt.“

  1. Hochsensibilität ist ein Thema, was mich schon lang beschäftigt. Ich finde es super, dass Blogs wie Ihren gibt, der sich damit auseinandersetzt. Neben den Tipps sich auf bestimmte Situationen vorzubereiten ist es schön, dass hier auch die positiven Seiten noch einmal hervorgehoben werden!

    1. Vielen Dank für Ihr schönes Feedback! Ja, ich finde es wichtig, auf die positiven Seiten der hochsensiblen, gefühlsstarken und ADHS-Kinder hinzuweisen. Das geschieht meiner Meinung nach viel zu selten.

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