Leben mit einem ADHS-Kind

Mama_ADHS_Kind

Meine Interviewpartnerin Katja ist 38 Jahre alt und hat zwei Söhne, Lukas 3 und Leo 6 Jahre.
Katja ist eine begeisterte und unerschrockene Lehrerin, aber im Moment in Elternzeit zu Hause. Weil ihr Mann beruflich sehr eingespannt ist und ihre Familie weit entfernt lebt, ist Katja auf sich gestellt und bekommt wenig Unterstützung.
Katjas älterer Sohn Leo ist ein sehr herausforderndes Kind. Sie vermutet, und das haben ihr auch schon andere nahegelegt, dass er ADHS haben könnte.
Katja ist oft nervlich und körperlich an ihren Grenzen. Sie hat Schuldgefühle weil sie glaubt, dass sie ihren Kindern nicht das geben kann, was sie brauchen.Interview mit Katja, Mama von einem ADHS-Kind

Interview mit Katja, Mama von einem ADHS-Kind

Heike: Liebe Katja, du hast mir geschrieben, weil du dir große Sorgen um deinen Sohn machst. Erzähl doch mal, wie du die Situation mit deinem Sohn erlebst.

Katja:  Leo ist so ein eigenwilliges Kind. Wegen allem gibt es Diskussionen. Überall will er mitentscheiden, obwohl er erst sechs Jahre alt ist. Wenn es nicht nach seinem Willen geht, wird er so wütend, dass er nicht mehr ansprechbar ist. Schon als Baby hat er mich extrem gefordert, dass ich keine ruhige Minute mehr für mich hatte.
Leo war eines dieser Kinder, die wenig schlafen und dafür viel schreien. Wenn Leo richtig in Fahrt war, konnte ich machen, was ich wollte, er war einfach nicht zu beruhigen. Oft wusste ich nicht mehr weiter und hatte das Gefühl Leo nicht das geben zu können, was er brauchte. Ich kam einfach nicht an ihn heran. Andere Mütter haben ihre Kinder im Griff, warum schaffe ich es nicht?

Sorgen wegen der Schule 

Ich mache mir große Sorgen, wie es mit der Schule weitergehen soll, wenn es jetzt schon so schwierig ist. Warum ist mein Kind nur so schwierig? Ist Leo wirklich krank und stimmt etwas nicht mit seinem Gehirn? Oder bin ich eine schlechte Mutter? Ich bin so verunsichert und unglücklich. Manchmal möchte ich lieber wieder kinderlos und frei sein, dabei liebe ich meine Kinder über alles!

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Heike: Das klingt super anstrengend! Kannst du dich denn erholen, wenn dein Mann zu Hause ist? Unterstützt er dich?

Katja: Wenn er denn zu Hause ist … Thomas hat einen Job mit viel Verantwortung in der Automobilbranche. Das bedeutet, dass er häufig auf Reisen im Ausland ist. Manchmal ist er die Woche über in Asien und kommt erst am Wochenende heim. Ich will mich aber nicht beklagen, Thomas ist ein liebevoller Vater und möchte Zeit mit seiner Familie verbringen. Außerdem verdient er gut und finanziell fehlt es uns an nichts.

Außenseiter im Kindergarten

Heike: Wie ging es weiter mit Leo? Als er in den Kindergarten kam?

Katja: Leo war im Kindergarten von Anfang an ein Außenseiter. Seine ungeschickte Art, auf sich aufmerksam zu machen – er rempelte die anderen Kinder an und boxte sie – kam nicht gut an. Die anderen Kinder wollten bald nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Dazu wurden ihm der Lärm und das Toben der anderen Kinder schnell zu viel. Obwohl er selber ein richtiger Rabauke sein kann, ist er gleichzeitig extrem sensibel und braucht immer wieder einen Rückzugsort, an dem er zu sich kommen kann.
Leo wollte bald überhaupt nicht mehr in den Kindergarten gehen. Weil es ein ständiger Kampf ist, lasse ich ihn dann auch oft zu Hause.

Die zarten Seiten von einem ADHS-Kind

Heike: Leo hat also neben seiner lebhaften und impulsiven Art auch noch eine ganz sensible und ruhige Seite. Wie zeigt sich das?

Katja: Wer nur seine wilde Art kennt, wird es nicht für möglich halten: Leo zeichnet unwahrscheinlich gern. Stundenlang sitzt er vor seinem Block und zaubert wunderschöne Kunstwerke. Da ist er Kindern in seinem Alter weit voraus. Leo ist auch musikalisch. Er tanzt und singt begeistert und hat sich einfache Lieder auf der Blockflöte selber beigebracht.

Heike: In eurer Familie gibt es noch den kleinen Bruder. Ist er auch so herausfordernd?

Katja: Lukas war von Anfang an ein ruhiges und braves Kind. Ganz anderes als Leo. Aber inzwischen schaut er sich viel von seinem größeren Bruder ab und verhält sich aufmüpfig.

Vorwürfe und ungebetene Ratschläge 

Heike: Was würdest du dir von anderen Menschen wünschen?

Katja: Das Schlimmste sind die ungefragten Ratschläge und vorwurfsvollen Blicke, wenn Leo sich draußen danebenbenimmt. Zum Beispiel, wenn er beim Einkaufen etwas haben möchte und wütend rumschreit wie ein Kleinkind, weil er es nicht bekommt. Das ist mir dann richtig peinlich.
Besonders traurig aber macht mich, dass die Großeltern die Kinder nicht mehr gerne zu sich nehmen, weil Leo ihnen zu anstrengend wird. Sie sind einfach überfordert. Das ist doch schlimm!
Immer schwingt der Vorwurf mit, ich sei eine schlechte Mutter, die ihre Kinder nicht richtig erzieht.

Heike: Das ist natürlich Quatsch. Viele Menschen haben einfach keine Ahnung, dass es Kinder gibt, die enorm intensiv und temperamentvoll sind. Diese Kinder beim Großwerden zu begleiten, ist viel anspruchsvoller, als „normale“ Kinder zu erziehen.

ADHS-Kinder erziehen ist harte Arbeit

Katja: Gut, dass du das sagst. Denn oft genug zweifle ich selbst an meinen Fähigkeiten. Dabei weiß ich, dass ich gut mit Kindern umgehen kann. Ich habe jahrelang an einer Hauptschule in einem Problembezirk unterrichtet und war die einzige, die diese Kinder, die es im Leben bestimmt nicht leicht hatten, erreichen konnte. Meinen Job habe ich gut gemacht und geliebt.
Und jetzt komme ich mit meinen eigenen Kindern nicht zurecht …

Heike: Ich bin davon überzeugt – und du weißt es insgeheim selber -, dass Leo ein wundervoller Junge ist mit besonderen Stärken. Ich will aber nichts beschönigen und kleinreden. Denn er ist ein temperamentvolles und intensives Kind und fordert dich enorm.
Deshalb ist es so wichtig, dass du Unterstützung bekommst, für dich sorgst und wieder in deine Kraft kommst.

Wie kann ich meinem ADHS-Kind helfen?

Katja: Und was ist mit Leo? Wie kann ich ihn erreichen?

Heike: Das gelingt dir durch einen Perspektivenwechsel. Du fokussierst dich in Zukunft auf seine Stärken und auf das, was Leo wirklich braucht. Nicht mehr und nicht weniger. Dein Sohn ist nicht krank oder gestört, sondern außergewöhnlich. Dazu brauchst du jemanden, der dich begleitet und dir den Rücken stärkt.

Katja: Das klingt gut, aber ich kann noch nicht so richtig daran glauben, dass wir jemals ein harmonisches Familienleben haben können.

Wieder zusammen lachen und Spaß haben

Heike: Glauben kann bekanntlich Berge versetzen und Gedanken schaffen Wirklichkeit: Wenn du die besonderen Stärken in deinem Kind erkennst, wird er das spüren und eure Beziehung wird gestärkt. Außerdem gibt es Strategien, mit denen du Leo wirksam anleiten kannst. Dann könnt ihr wieder zusammen lachen und Spaß haben und schwierigen Situationen mit mehr Gelassenheit den Wind aus den Segeln nehmen.

Interview Leben mit einem ADHS Kind

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1 Kommentar zu „Leben mit einem ADHS-Kind“

  1. Danke für dieses Interview mit einem Elternteil eines ADHS Kindes. Wir als Eltern haben auch ein betroffenes Kind und wollen demnächst es mal mit einer Beratung probieren. Gerade die Erziehungsschwierigkeiten, auf die hier auch eingegangen wird, machen uns derzeit zu schaffen.

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