Warum ich tue, was ich tue

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Kinder, die „anders“ sind, haben mich schon immer berührt

Schon als ganz junger Mensch habe ich mich gefragt, wie es sein kann, dass so viele Menschen die Geschichten von Astrid Lindgren lieben und gleichzeitig so wenig Verständnis für Kinder, die „anders“ sind, aufbringen. Astrid Lindgren ist übrigens meine Lieblings Kinderbuchautorin. Weil ihre Geschichten von ganz besonderen Kindern handeln. Die Helden in ihren Geschichten sind wunderbare, einzigartige kleine Persönlichkeiten: Die wilde und starke Ronja, die fröhlichen Kinder aus Bullerbü, der traurige Mio und natürlich Michel aus Lönneberga, der heute sicherlich als ADHS – Kind bezeichnet würde. Auch die Kinderbücher von Peter Härtling liebe ich noch immer. Hier geht es um das ganz normale Leben von ganz normalen Familien, eben um Familien, die mit Schwierigkeiten kämpfen. Es kommen Schlüsselkinder vor und Kinder, die früh groß werden müssen. Es geht um Eltern, die ihr Bestes geben, und dennoch reicht es nicht. Dann findet sich noch ein anderer Erwachsener, der dem Kind Halt und Wärme bietet. Die heile Welt existiert dort nicht, und doch ist es ein gutes, ganz besonderes, eigenes Leben.

Was hat das mit mir zu tun?

Nun, ich war sicherlich ein „schwieriges“ Kind. Ein Kind, das „anders“ war. Anstrengend und herausfordernd für die Erwachsenen. Schon im Kindergarten wurde ich in eine andere Gruppe versetzt, weil ich kein braves Mädchen war, sondern lieber mit den Jungen umhertollte. Genauso war es in der Grundschule. Meine Strumpfhosen hatten immer Löcher an den Knien. Das passierte beim Ballspielen auf dem Schulhof… Immer wieder habe ich erfahren: „Ein Mädchen benimmt sich so nicht.“ Ich merkte, dass ich irgendwie nicht „richtig“ war. Das fühlte sich überhaupt nicht gut an. So wurde ich immer vorsichtiger und stiller. Ganz ich selbst war ich am Nachmittag bei abenteuerlichen Streifzügen durch den Wald oder beim Krötenfangen am Tümpel. Bald entdeckte ich meine Liebe zur Geige und konnte meine Gefühle, die sonst in mir verschlossen blieben, über die Musik ausdrücken. Die Schule war ein Kapitel für sich: Den halben Tag stillsitzen zu müssen, war die reinste Qual für mich. Meine Gedanken schweiften häufig ab zu interessanteren Dingen. Es fiel mir schwer, mich auf Arbeitsblätter und Aufgaben aus dem Schulbuch zu konzentrieren. Ich war deshalb leider nur eine mittelmäßige Schülerin. Dabei hatte ich viele Interessen. Habe immer viel gelesen, auch anspruchsvolle Bücher. Ich habe gebastelt und meine Kleider selbst genäht. Bin oft ins Theater oder in Konzerte gegangen. Ich liebte das Eintauchen in andere, zauberhafte Welten. Nun, ich wurde erwachsen. Hatte mein Abi in der Tasche und die Welt stand mir offen. Was für eine Erleichterung. Freiheit! Ich kann behaupten, dass mein Leben viel besser wurde, weil ich wählen konnte, was ich tun wollte. Diese Wahlmöglichkeiten habe ich dann auch ausgekostet: Mein Lebensweg ist geprägt von etlichen beruflichen und persönlichen Stationen und Erfahrungen. Jetzt im Nachhinein erkenne ich den roten Faden! Alles hatte und hat seinen Sinn!

Und dann werde ich Mama…

Aber komme ich zurück zu den „schwierigen“, besonderen Kindern. Ich habe das Glück, Mama von vier wunderbaren, ganz unterschiedlichen Kindern zu sein. Also kann ich mitreden, weil ich weiß, wie es ist, besonders energiegeladene, eigenwillige Kinder beim Großwerden zu begleiten. Ich erinnere mich gut, wie ich ständig neben der Spur war, weil meine Tochter schon als kleines Baby wirklich wenig Schlaf brauchte. Wie es war, rund um die Uhr gefordert zu sein. Keine Zeit für mich zu haben. Nicht mal, um ein paar Seiten zu lesen oder ein paar klare Gedanken zu fassen. Mein nun erwachsener Sohn war als Kind sehr kreativ und ausgesprochen tierlieb. An eine Episode erinnere mich besonders: Frühmorgens, es regnete und war noch dunkel, liefen wir zur Bushaltestelle. Wie so oft, waren wir spät dran und mussten uns beeilen, um den Bus zu erwischen. Plötzlich ließ sich mein Sohn auf alle Viere fallen und kroch ins Gebüsch neben dem Gehweg. Er hatte eine schöne Schleimspur entdeckt und folgte ihr in der Hoffnung, die Schnecke zu finden. Meine Aufforderung, schnell aufzustehen und weiterzugehen, führte zu einem Wutausbruch, der den ganzen Weg bis zur Bushaltestelle anhielt. Es war erst sieben Uhr morgens. Der Tag hatte gerade begonnen und ich war schon jetzt ziemlich entnervt. Die Grundschulzeit haben wir dank einer ganz tollen, besonderen Berliner Schule gut überstanden. Dann begann die Zeit auf dem Gymnasium. Was soll ich sagen… Die ersten Klassen verliefen noch ganz gut, aber dann häuften sich die Klagen und Beschwerden: „Das Kind passt nicht auf, schaut aus dem Fenster, wirkt abwesend und beschäftigt sich mit Dingen, die mit dem Unterricht nichts zu tun haben. Außerdem gibt es auch noch Widerworte.“ Natürlich ging es bald mit den Schulleistungen bergab. Was tun? Mit dem Kind sprechen und den Lehrern. Versuchen, zu vermitteln. Schwierig, wenn der Stempel erstmal sitzt, ist es fast unmöglich, ihn wieder los zu bekommen. Ich wusste noch sehr gut, wie es mir damals in der Schule ging und hatte natürlich Verständnis für mein Kind.

Und heute…

Irgendwie war dann die Schulzeit überstanden, und das „Kind“ hat seinen eigenen Weg gefunden. Ausbildung in Rekordzeit abgeschlossen, darauffolgendes Studium und einen Job, der Spaß macht.

Warum erzähle ich das alles?

Ich möchte nicht angeben mit meinen Kindern. Ich will zeigen, dass wir an unsere Kinder glauben müssen, ihnen den Rücken stärken, zu ihnen stehen. Auch, wenn der Rest der Welt gegen sie zu sein scheint. Wir müssen die grandiosen Stärken sehen, die unsere Kinder mitbringen, auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht nicht leicht zu erkennen sind. Unsere Kinder haben enorm viel Energie. Sie sind kreativ und finden ungewöhnliche Lösungen. Sie sind intelligent und aufgeweckt. Sie halten durch, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben. Sie hassen Ungerechtigkeiten. Sie sind sensibel und fühlen intensiv. Und nicht zuletzt sind sie warmherzig und hilfsbereit.
Jedes einzelne Kind liegt mir am Herzen. Denn jedes Kind hat ein Recht darauf, seine ganz besonderen Stärken in die Welt zu bringen. Seinen ganz eigenen Weg in ein erfülltes und glückliches Leben zu gehen. Die Welt braucht heute mehr denn je diese Menschen: Menschen, die eigenständig denken, neue Wege und Lösungen finden und diese voller Schwung und Energie in die Welt bringen.  

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1 Kommentar zu „Warum ich tue, was ich tue“

  1. Pingback: Gut durch die Schule mit "ADHS" - Heike Hahn "ADHS-Kinder"

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